Was bedeutet das?
Bei der Demokratie- und Menschenrechtserziehung geht es um unsere Rechte und unsere Verantwortung. Kinder werden nicht mit dem Bewusstsein geboren, Rechte, Pflichten und Verantwortung zu haben, sondern müssen dies lernen. Damit sich die demokratische Kultur in Europa weiterentwickeln kann, muss jedes Kind, jeder junge Mensch dieses Bewusstsein erwerben.
Warum ist dies so wichtig?
Demokratie- und Menschenrechtserziehung dient nicht nur dazu, zukünftigen Menschenrechtsverletzungen vorzubeugen; sie soll uns auch lehren, Diskriminierung und Rassismus zu bekämpfen, sozialen Zusammenhalt anzustreben und die Menschenrechte aller zu verteidigen und zu schützen. Durch sie erwerben wir das Wissen, das Verständnis, die Fähigkeiten und Denkweisen, die wir brauchen, um eine konstruktive Rolle in unserer Gesellschaft zu spielen, sei es auf lokaler, nationaler oder internationaler Ebene. Sie bringt uns bei, unseren Einfluss geltend zu machen, an der Gesellschaft teilzuhaben und unsere Zukunft selbst zu gestalten.
Der Europarat bewegt etwas
Der Europarat hat erkannt, dass seine Vision eines auf Menschenrechten, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit basierenden Europas nur erreicht werden kann, wenn diese Werte an den Schulen und durch Unterricht für Jugendliche und Erwachsene wirksam gefördert werden.
Die Europarats-Charta zur Politischen Bildung und Menschenrechtsbildung stärkt das Bewusstsein über diese zentralen Werte und fördert die aktive Teilhabe der Bürger Europas.
Die Charta hat schon etwas bewegt. Dank der vom Europarat geleisteten Arbeit und des wachsenden Bewusstseins und Einsatzes seiner 47 Mitgliedsstaaten hat sich Demokratie- und Menschenrechtserziehung an immer mehr Schulen und auch darüber hinaus zu einem eigenen Fach, einem fächerübergreifenden Thema und zu einem Lernansatz entwickelt. Sie ist Bestandteil der Lehrerausbildung, der außerschulischen Aus- und Weiterbildung sowie der Ausbildung am Arbeitsplatz und erfreut sich steigenden Ansehens und wachsender Bedeutung: Immer mehr Menschen sehen darin eine wirksame Verteidigung gegen den Anstieg von Gewalt, Ungleichheit, Rassismus, Extremismus, Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Intoleranz in Europa und auf der ganzen Welt.
An wen richtet sich Demokratie- und Menschenrechtserziehung?
Sie ist von besonderer Bedeutung für Kinder und Jugendliche, die ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und Werte sowie ihre gesellschaftlichen Haltungen entwickeln. Sie sind vielleicht noch nicht alt genug, um an Wahlen teilzunehmen oder um Geschworene zu sein, dessen ungeachtet besitzen sie Rechte und Pflichten und haben Anspruch darauf, dass ihre Meinung gehört wird. Staatsbürgerschafts- und Menschenrechtserziehung unterstützt die Jugendlichen bei der Entwicklung der Fähigkeiten, die sie in Schule und Familie benötigen, und vermittelt ihnen Kenntnisse für die Zukunft. So hilft sie ihnen beispielsweise dabei, Probleme ohne Gewalt zu lösen und Konflikte am Spielplatz fair und vernünftig beizulegen.
Sie ist auch für Erwachsene wichtig. Viele haben vielleicht das Interesse an klassischer Politik verloren, stehen jedoch der Welt um sie herum weiterhin sehr aufgeschlossen gegenüber und engagieren sich zum Beispiel für lokale Krankenhäusern, den Umweltschutz oder gegen Tierquälerei. Demokratie- und Menschenrechtserziehung kann ihnen zeigen, wie sie gesellschaftlichen Einfluss erlangen und ihrer Stimme Gehör verschaffen.
Frauen haben mitunter keine Möglichkeit, sich am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen, da sie aus männlich dominierten Verhältnissen kommen. Auch Menschen mit Behinderungen und die älteren Generationen können sich Schwierigkeiten gegenübersehen, gehört zu werden. Demokratie- und Menschenrechtserziehung gibt ihnen das Selbstvertrauen, um die Augen und Ohren der Gesellschaft um sie herum zu öffnen.