Das Europäische Kulturabkommen

Kultur und Kulturerbe

Die bedeutende Rolle der Kultur bei der Förderung von sozialem Wissen, Verständnis der anderen und der Vermittlung von Werten ist seit jeher anerkannt. Kultur ist, gemeinsam mit der Demokratie und den Menschenrechten, die Voraussetzung für ein erfülltes Leben.

Der Europarat weiß seit seiner Gründung um die Rolle von Kultur und Bildung, wenn es darum geht, die Achtung der kulturellen Vielfalt und die gemeinsamen Werte zu fördern.

Das am 19. Dezember 1954 verabschiedete Kulturabkommen bildet den Grundstein der europäischen Zusammenarbeit in den Bereichen Kultur, Bildung und Erziehung, Jugend und Sport. Es hat das Ziel, die kulturelle Zusammenarbeit in all ihren vielfältigen Formen zu unterstützen, das gegenseitige Verständnis und das Wissen zwischen den europäischen Ländern zu fördern sowie ihr kulturelles Erbe zu erhalten und es als wichtigen Bestandteil eines weiter gefassten "europäischen" Erbes zu betrachten.

Mehr als 50 Jahre nach seiner Verabschiedung bleibt das Kulturabkommen diesen Zielen weiterhin treu. Seit dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs des Europarates (Warschau 2005) zählt die Förderung des Dialogs zwischen den Kulturen und Religionen zu den Prioritäten der Organisation.

50 Staaten sind derzeit Vertragspartei des Kulturabkommens: Die 47 Mitgliedsstaaten des Europarates sowie Weißrussland, der Heilige Stuhl und Kasachstan.
 

Kulturwege: Auf den Spuren von Europas Vergangenheit und Zukunft

Die 24 Kulturwege des Europarates bieten eine Entdeckungsreise durch die europäische Identität und erwecken die Traditionen und Völker zum Leben, die uns zu dem gemacht haben, was wir heute sind.

Im Jahre 1987 wurde der Jakobsweg als erste Strecke in die Initiative aufgenommen. Seitdem schlängeln sich die Routen quer durch Europa und folgen den Spuren von Händlern, Handwerkern, Ordensgemeinschaften, Musikern und Erfindern. Sie zeugen von bedeutenden wirtschaftlichen und sozialen Fortschritten – von der Ernte und der Vermarktung von Wein und Oliven bis zum Beginn der Industrialisierung und der Entwicklung von Heilbädern als Erholungs- und Genesungsort, von den Händlern der Hanse im Mittelalter bis zur Geschichte der Roma. Die Strecken zeigen, welche Bedeutung Vielfalt annehmen kann und wie diese zur Stabilität und zum Wohlstand unserer Gesellschaft beiträgt.

Die Strecken ziehen täglich über 6 Millionen Besucher an und erinnern uns daran, dass unser kulturelles Erbe einen wichtigen Teil unserer Identität ausmacht und dass die Achtung dieser Kultur ein Recht ist.
 

30. Ausstellung des Europarates „Kunst seit 1945“

Diese Diptychon-Ausstellung ist die dreißigste Ausgabe der paneuropäischen Ausstellungen, die Mitte der 1950er Jahre ins Leben gerufen wurden, um Kenntnis und Wertschätzung der europäischen Kunst zu erhöhen und die historische Einheit der europäischen Kultur aufzuzeigen. Sie wird über den Zeitraum von 2012 bis 2014 zu sehen sein.

„Kunst seit 1945“ strebt danach, alle Aspekte der europäischen Kunst zu behandeln. Viele der 47 Mitgliedstaaten, die Unterzeichner des Europäischen Kulturabkommens sind, nehmen an der Ausstellung teil, die sich zum ersten Mal auf die gemeinsamen Wurzeln der europäischen Kulturen und Ideologien in der Aufklärung konzentriert. Sie bietet nicht nur einen neuen Interpretationsansatz, sondern auch eine neue Geographie der in den europäischen Ländern geschaffenen Kunst, seien diese Länder zentral oder peripher gelegen, sowie ihrer historischen und kulturellen Traditionen im Norden, Süden, Osten oder Westen.