Präsentation der Erkenntnisse am 12. und 13. Juni 2012 in Brüssel (Belgien)

Ein abschließendes Treffen der Partner fand am 12. Juni 2012 im Büro des Europarates in Brüssel statt. Im Anschluss daran wurde am 13. Juni 2012 am Sitz des Ausschusses der Regionen der Europäischen Union eine Konferenz abgehalten, die sich an die anderen europäischen Partner richtete und bei der die Ergebnisse und Lehren aus dem SPARDA-Programm präsentiert wurden. Dabei wurden die Kommunikationskampagnen für Vielfalt und Integration in den sieben Partnerstädten und die Erkenntnisse aus den Wahrnehmungsstudien zur Beurteilung ihrer Wirkungen vorgestellt; außerdem wurde über Empfehlungen an politische Entscheidungsträger und andere lokale Akteure für eine effektivere Kommunikationsstrategien diskutiert.

In seiner Rede würdigte der Präsident des Kongresses Keith Whitmore die im Rahmen von SPARDA geleistete Arbeit zur Vermittlung von Vielfalt und zum Aufbau eines Dialogs mit der lokalen Bevölkerung über Fragen der Diversität. In Bezug auf das Thema Immigration auf lokaler Ebene forderte Whitmore ein neues Modell der partizipativen Demokratie, welches Migranten- und Minderheitengruppen einbinde. Insbesondere unterstrich er die Notwendigkeit, ausländischen Mitbürgern gleichen Zugang zu sozialen Rechten und öffentlichen Dienstleistungen zu gewährleisten, Vorurteile gegen Migranten zu bekämpfen und die Öffentlichkeit für deren Kulturen und deren Beiträge zu den lokalen Gemeinden zu sensibilisieren. Dadurch kann das Projekt SPARDA den Dialog zwischen den Gemeinschaften noch weiter fördern sowie zu mehr gemeinsamen Initiativen und zu mehr Beteiligung ermuntern, schloss Whitmore.


Die Erkenntnisse und Lehren aus SPARDA werden in das „Intercultural Cities“-Programm aufgenommen werden – eine gemeinsame Aktion des Europarates und der Europäischen Kommission zur Förderung neuer Ideen und Praktiken in Bezug auf die Integration von Migranten und Minderheiten. Dieses Netzwerk ermöglicht die gegenseitige Beratung und den Austausch zwischen den vom Thema Migration und Vielfalt berührten Städten stehen.
 

Europäische Haltung zu Migranten sehr unterschiedlich

Die neusten Bemühungen des Europarates zum Umgang mit der wachsenden kulturellen Vielfalt auf dem gesamten Kontinent haben mit der Präsentation vorläufiger Ergebnisse einer Umfrage begonnen. Dabei ging es darum, wie Bürger bestimmter europäischer Städte Migranten wahrnehmen. Die Ergebnisse fielen sehr unterschiedlich aus.

Die Umfrage wurde vom unabhängigen Sozialforschungsinstitut IPSOS durchgeführt und stellt den ersten Schritt eines 18-monatigen Programms dar, das den Namen SPARDA: Shaping perceptions and attitudes to realise the diversity advantage (Gestaltung von Wahrnehmungen und Standpunkten zur Nutzung der Vorteile kultureller Vielfalt) trägt und bis Juni 2012 läuft.

In Auftrag gegeben wurde die IPSOS-Umfrage vom Europarat und der Europäischen Union. Im Mittelpunkt standen die Reaktionen auf Migranten in sieben europäischen Städten: Lyon, Frankreich, Limassol, Zypern, Valencia/Pactem Nord, Spanien, Reggio Emilia, Italien, Coimbra, Portugal, Patras, Griechenland, und Had Dingli, Malta. Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer SPARDA-Konferenz vom 7.-8. Juli in Limassol, Zypern, besprochen.

Die erfolgreiche Integration von Migranten hängt sehr stark von der Wahrnehmung innerhalb der Gastgemeinde der Migranten und der ethnokulturellen Vielfalt ab. Diese Wahrnehmung ist ein Produkt komplexer Faktoren und Umstände. Bis zu einem gewissen Umfang kann die Wahrnehmung durch die Art und Weise beeinflusst werden, wie Meinungsbildner – insbesondere politische Verantwortliche und die Medien – mit diesen Fragen umgehen.

Die SPARDA-Methode unterzieht diese Hypothese einer Prüfung. Die vorläufige Umfrage dient als Messanzeige, auf deren Grundlage die Städte ihre Informationskampagnen bis Ende 2012 ausrichten können. Die zweiten Umfragen, die im Anschluss an die Kampagnen durchgeführt werden, liefern eine Vorstellung davon, inwiefern die Kampagnen die Wahrnehmung der Gemeinden von Migranten beeinflusst haben.

Lyon (Frankreich)

Lyon ist die zweitgrößte Stadt Frankreichs und die Hauptstadt der Region Rhône-Alpes. Mit 445 274 Einwohnern ist sie der am dichtesten besiedelte Teil der Region (Stand 1999). Des Weiteren ist sie nach Paris die zweitgrößte Wirtschaftsmetropole des Landes. Lyon ist ein wichtiges Industriezentrum, in dessen Mittelpunkt die Chemie-, Pharma- und Biotechindustrie sowie eine bedeutende Softwareindustrie stehen. Außerdem beherbergt die Stadt die internationalen Hauptsitze von Interpol und Euronews.

Im Jahr 1999 waren schätzungsweise 8% der Gesamtbevölkerung Ausländer. Unabhängig von ihrer heutigen Staatsangehörigkeit wurden 14% im Ausland geboren, davon 4,2% in Algerien und 3,3% in der EU (INSEE*).

Den Ergebnissen der aktuellen Untersuchung zufolge haben die Bewohner von Lyon im Vergleich zu anderen in der Untersuchung aufgeführten lokalen Gebietskörperschaften häufig Kontakt zu Menschen unterschiedlicher Herkunft (entweder in ihrem Wohnumfeld oder am Arbeitsplatz). 38% der Befragten gaben häufigen und 41% gelegentlichen Kontakt an. Wahrscheinlich hängen die Gründe dafür mit der Tatsache zusammen, dass Lyon eine Großstadt mit einer Bevölkerung unterschiedlichster Herkunft ist. Unter den Befragten befanden sich auch mehr Personen, die Reisen ins Ausland unternommen oder im Ausland gelebt haben, als unter den Bewohnern der meisten anderen Städte. Des Weiteren erklärte der Großteil der Befragten, dass ihr Wohnort ein Ort sei, an dem Menschen mit unterschiedlichen ethnischen und religiösen Hintergründen gut miteinander auskommen (75% im Vergleich zum Durchschnitt von 59%).

Lyon ist ebenfalls an der Interkulturellen Städte-Strategie (ICC) des Europarates beteiligt [en]

* Nationales Institut für Statistik und Wirtschaftsforschung (INSEE)

Coimbra (Portugal)

Coimbra gehört zu den wichtigsten urbanen Zentren Portugals. Im Mittelalter noch als Hauptstadt bekannt, ist Coimbra heute eher für ihre Universität berühmt, eine der ältesten Europas und die älteste akademische Einrichtung in den portugiesischsprachigen Ländern. Gemäß der Volkszählung aus dem Jahr 2001 hat die Stadt 101 069 Einwohner und die Gemeinde 148 443.

Die Stadt verfügt über eine lange Geschichte der Einwanderung aus früheren Überseegebieten in Indien, Afrika und Asien. Seit den 1990er Jahren und gleichzeitig mit dem Aufschwung in der Bauindustrie haben sich auch immer mehr Einwanderer aus Brasilien und der Ukraine hier niedergelassen. Die Menschen aus diesen beiden Ländern bilden in Coimbra die beiden größten Zuwanderungsgruppen.

Den Ergebnissen der aktuellen Untersuchung zufolge haben die Einwohner von Coimbra seltener als die Einwohner aus dem Großteil der anderen in der Untersuchung aufgeführten lokalen Gebietskörperschaften Kontakt mit Menschen anderer ethnischer Herkunft (13% häufig, 11% gelegentlich und 76% selten). Von allen lokalen Gebietskörperschaften nahm Coimbra den zweitgrößten Anteil der Befragten ein, die seltene Kontakte angaben. Die Zahl der Befragten, die bereits ins Ausland gereist ist oder im Ausland gelebt hat, ist hier ebenfalls bedeutend geringer als in Lyon und Limassol. Die Mehrheit der Einwohner (68%) ist der Meinung, dass ihr Wohnort ein Ort ist, an dem Menschen mit unterschiedlichen ethnischen und religiösen Hintergründen gut miteinander auskommen.

Had-Dingli (Malta)

Had Dingli ist eine Kleinstadt an der Westküste Maltas, 13 Kilometer von der Hauptstadt Valetta entfernt. Im November 2005 belief sich die Bevölkerungszahl auf schätzungsweise 3 326 Einwohner.

Überblick über die Vielfalt der Bevölkerung

Den Ergebnissen der aktuellen Untersuchung zufolge wurde eine überwältigende Mehrheit der befragten Bewohner (94%) mit seltenem Kontakt zu Menschen anderer Herkunft eingestuft (im Vergleich zu 2% mit häufigem und 4% mit gelegentlichem Kontakt). Von allen untersuchten lokalen Gebietskörperschaften war die Zahl der Befragten mit „seltenem Kontakt“ zu Menschen anderer Herkunft in Had Dingli am größten. Die Zahl der Menschen, die bereits ins Ausland gereist ist oder im Ausland gelebt hat, ist hier ebenfalls bedeutend geringer als in Lyon und Limassol. Wenig überraschend stellte sich heraus, dass die Einwohner hier mehr als in den meisten anderen lokalen Gebietskörperschaften erklärten, dass sie nicht sagen könnten, ob die Menschen anderer Herkunft gut miteinander auskämen, da es in der Umgebung zu wenige von ihnen gibt (17%) oder die Bewohner alle derselben Herkunft sind (23%). Von denjenigen, die eine Aussage zu dieser Frage machen konnten, stimmten jedoch 45% überein, dass die Menschen mit unterschiedlichen ethnischen und religiösen Hintergründen gut miteinander auskommen. 8% waren anderer Ansicht.

Patras (Griechenland)

Patras ist die Hauptstadt der Region Westgriechenland. Von besonderer Bedeutung ist der Hafen von Patras, das Tor zu den ionischen Inseln und Italien. Was lässt sich zur Zusammensetzung der Bevölkerung sagen? Die Stadt Patras ist nach dem Schengener Abkommen ein Einreisepunkt für die EU und verbindet Europa mit dem Osten. Die Bevölkerungszahl der Metropolregion Patras beläuft sich auf schätzungsweise 230 000 Einwohner.

In der Stadt leben viele Albaner, die aus wirtschaftlichen Gründen nach Patras gekommen sind. Außerdem nehmen Menschen aus osteuropäischen Ländern einen relativ hohen Anteil ein.

Den Ergebnissen der aktuellen Untersuchung zufolge leben oder arbeiten 62% der befragten Bewohner von Patras gemeinsam mit Menschen anderer ethnischer Herkunft (25% häufig, 37% gelegentlich und 38% selten). Die Zahl der Menschen, die bereits ins Ausland gereist ist oder im Ausland gelebt hat, ist hier bedeutend geringer als in Lyon und Limassol. Mehr als in den meisten anderen lokalen Gebietskörperschaften sind die Einwohner hier der Ansicht, dass ihr Wohnort kein Ort ist, an dem Menschen mit unterschiedlichen ethnischen und religiösen Hintergründen gut miteinander auskommen (39%). Obwohl die Mehrzahl der Einwohner (56%) das Zusammenleben der Menschen für gut befindet.

Patras ist ebenfalls an der Interkulturellen Städte-Strategie (ICC) des Europarates beteiligt [en] 

Limassol (Zypern)

 

Limassol liegt an der Südküste der Insel Zypern in der Bucht von Akrotiri. Sie ist die zweitgrößte Stadt des Landes. Limassol verfügt über den größten Hafen im mediterranen Transithandel und hat sich zu einem der bedeutendsten Tourismus-, Handels- und Dienstleistungszentren der Region entwickelt. Im Jahr 2001 belief sich die Bevölkerungszahl auf schätzungsweise 228 000 Einwohner*.

Traditionsgemäß setzt sich die gemischte Bevölkerung von Limassol aus Griechen und türkischen Zyprern zusammen. Viele griechische Zyprer aus dem Norden Zyperns haben sich, nachdem sie durch die türkische Invasion zu Flüchtlingen wurden, in Limassol niedergelassen. Im Laufe der 1990er Jahre kehrten mehrere zyprische Roma (gemäß der Verfassung handelt es sich bei diesen Menschen um türkische Zyprer) aus dem Norden der Insel zurück. Im Jahr 2006 waren schätzungsweise 6% der Gesamtbevölkerung Drittstaatsangehörige. Aufgrund der in Limassol tätigen Offshore-Unternehmen gibt es auch eine relative große russische Gemeinschaft.

Den Ergebnissen der aktuellen Untersuchung zufolge haben die Bewohner von Limassol viel Kontakt mit Menschen anderer Herkunft (entweder in ihrem Wohnumfeld oder am Arbeitsplatz). 31% der Befragten gaben häufigen und 39% gelegentlichen Kontakt an. Unter den Einwohnern befanden sich auch mehr Personen, die Reisen ins Ausland unternommen oder im Ausland gelebt haben, als unter den Bewohnern der meisten anderen Städte. Eine relative hohe Zahl der Einwohner (61%) ist der Meinung, dass ihr Wohnort ein Ort ist, an dem Menschen mit unterschiedlichen ethnischen und religiösen Hintergründen gut miteinander auskommen.

Limassol ist ebenfalls an der interkulturellen Städte-Strategie (ICC) des Europarates beteiligt [en]

* Volkszählung Limassol, 2001

Reggio Emilia (Italien)

Reggio Emilia ist eine von mehreren, wohlhabenden Kleinstädten in Emilio Romagna, einer Region im Norden Italiens. Im Jahr 2011 belief sich die Einwohnerzahl auf schätzungsweise 170 086 Personen.

Ca. 17% der Einwohner sind ausländische Staatsbürger, wobei der Großteil aus Albanien, Marokko und China (je 2%) stammt.

Den Ergebnissen der aktuellen Untersuchung zufolge gab ein relativ hoher Anteil der Einwohner von Reggio Emilia (62%) an, in ihrer Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz gelegentlich mit Menschen anderer ethnischer Herkunft in Berührung zu kommen (20% häufig, 62% gelegentlich und 18% selten). Von allen lokalen Gebietskörperschaften war die Zahl der Befragten mit „seltenem Kontakt“ zu Menschen anderer ethnischer Herkunft in Reggio Emilia am kleinsten. Die Zahl der Menschen, die bereits ins Ausland gereist ist oder im Ausland gelebt hat, ist hier bedeutend geringer als in Lyon und Limassol. Mehr als in jeder anderen lokalen Gebietskörperschaft sind die Einwohner hier der Ansicht, dass ihr Wohnort kein Ort ist, an dem Menschen mit unterschiedlichen ethnischen und religiösen Hintergründen gut miteinander auskommen (42%). Obwohl die Mehrzahl der Einwohner (48%) das Zusammenleben der Menschen für gut befindet.

Reggio Emilia ist ebenfalls an der Interkulturellen Städte-Strategie (ICC) des Europarates beteiligt [en]

Valencia/Pactem Nord (Spanien)

Diese lokale Gebietskörperschaft umfasst Valencia und L’Horta Nord, im Nordwesten der Provinz Valencia gelegen. Das Konsortium PACTEM Nord wurde 2001 als Werkzeug zur Erstellung des Handlungsrahmens des Territorialen Beschäftigungspakts im Raum L’Horta Nord gegründet. Die Bevölkerungszahl der Stadt Valencia und von L’Horta Sud beläuft sich gegenwärtig auf 284 000 Einwohner auf einer Fläche von 170 km².

Schätzungsweise 18% der Gesamtbevölkerung Valencias sind Ausländer (im Vergleich zu einem Ausländeranteil von ca. 12% in ganz Spanien). In der Region L’Horta Nord sind ca. 9% der Gesamtbevölkerung Einwanderer. Sie kommen größtenteils aus Rumänien, Ecuador, Marokko und Kolumbien (je 6%).

Den Ergebnissen der aktuellen Untersuchung zufolge sind die Einwohner von Valencia und PN daran gewöhnt, in der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz mit Menschen anderer ethnischer Herkunft zusammenzuleben oder zusammenzuarbeiten (13% häufig, 44% gelegentlich und 32% selten). Die Zahl der Menschen, die bereits ins Ausland gereist ist oder im Ausland gelebt hat, ist hier bedeutend geringer als in Lyon und Limassol. Eine relativ hohe Zahl der Einwohner (62%) ist der Meinung, dass ihr Wohnort ein Ort ist, an dem Menschen mit unterschiedlichen ethnischen und religiösen Hintergründen gut miteinander auskommen.

Ergebnisse

Über das SPARDA-Projekt

SPARDA ist ein gemeinsames Programm des Europarates und der Europäischen Kommission, bei dem es um die öffentliche Wahrnehmung von Vielfalt in sieben europäischen Städten geht. Trotz der Bemühungen der lokalen Behörden, die Vorteile von Vielfalt für die Stadtentwicklung zu betonen, sind den meisten Bürgern diese Vorteile nicht bewusst (laut den Ergebnissen einer Umfrage von IPSOS, Juni 2011).