Medien

Menschenrechtskommissar des Europarates

Unverantwortliche Medienberichterstattung über Roma verbreitet negative Legenden

24/10/2013

Unverantwortliche Medienberichterstattung über Roma verbreitet negative Legenden
Nils Muižnieks 

Straßburg, 24.10.2013 – „Durch die Fälle der bei Roma-Familien in Griechenland und Irland aufgefundenen Kinder ist das seit Langem bestehende Problem der negativen Medienberichterstattung über Minderheiten wieder in den Blickpunkt geraten. Ein Großteil der Medienberichte auf europäischer und weltweiter Ebene betonte die ethnische Herkunft der Familien, bei denen die Kinder gefunden wurden, wodurch althergebrachte Legenden, in denen Roma als Kindesentführer dargestellt werden, weiterverbreitet werden“, so der Menschenrechtskommissar des Europarates Nils Muižnieks heute in einem offenen Brief an Journalisten.
 

„Eine derartig verantwortungslose Berichterstattung kann für Millionen Roma beträchtliche Folgen haben und die bestehenden, gewalttätigen Anti-Roma-Bewegungen noch verstärken. Wiewohl Roma nicht mehr zu kriminellem Verhalten neigen als andere Bevölkerungsgruppen, verleiht das Beharren der Medien auf der ethnischen Herkunft der Legende neuen Glauben, wonach Roma von Natur aus Kriminelle seien. Dies ist nicht nur falsch, sondern auch gefährlich, weil sich dadurch die bereits angespannten Beziehungen zwischen Roma und der Mehrheitsbevölkerung in Europa weiter verschlechtern können.

Das Verbreiten eines solch negativen Bildes schadet auch den Integrationsbemühungen, denn wie können wir von den Roma gesellschaftliche Integrierung erwarten, wenn die Medien sie bei jeder Gelegenheit daran erinnern, dass sie unerwünscht sind?
 

Ich fordere alle mit der Berichterstattung über diese Fälle befassten Journalisten auf, noch einmal genau zu überlegen, ob das Erwähnen der ethnischen Herkunft wirklich nötig war, ob das Wohl der Kinder und deren Recht auf Privatsphäre beachtet wurden und ob die Unschuldsvermutung eingehalten wurde.

Beispiele aus der Vergangenheit lehren uns, dass die Dämonisierung einer Menschengruppe in den Medien verhängnisvolle politische und gesellschaftliche Folgen haben kann. Bei der Darstellung von Minderheiten und insbesondere bei der Berichterstattung über Roma müssen die Medien mit ihrer Macht, die öffentliche Meinung zu bilden, verantwortungsbewusster umgehen.“


 

Pressemitteilung

 

 

Siehe auch:

Menschenrechte für Roma Realität werden lassen

 
 
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22/07/2014
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Thorbjørn Jagland 
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