Parlamentarische Versammlung stellt Umgang mit der H1N1-Pandemie in Frage

Straßburg, 26. Januar 2010

H1N1

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Im Laufe des letzten Jahrhunderts hatte die Welt mit einigen Gesundheitsgefahren zu kämpfen: SARS, Vogelgrippe und momentan der Schweinegrippe. Der Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Familie der Versammlung überprüfte bei einer öffentlichen Anhörung im Januar 2010 den Umgang mit der H1N1-Pandemie. Er beschäftigte sich mit der Frage, ob die Entscheidungen im Zusammenhang mit Pandemien allein auf der Grundlage von verlässlichen wissenschaftlichen Daten getroffen oder von anderen Interessen beeinflusst wurden. Der Vertreter der Weltgesundheitsorganisation antwortete, dass die Politik in Bezug auf die Schweinegrippe nicht unzulässigerweise von der Pharmaindustrie beeinflusst war und die WHO keine Zweifel an der wissenschaftlichen Gültigkeit ihrer Empfehlungen hat.

Der Ausschuss hat eine zweite öffentliche Anhörung in Paris abgehalten, gemeinsam mit Regierungsvertretern, die mit dem Umgang mit der Pandemie beauftragt waren. Der Berichterstatter Paul Flynn besuchte außerdem den Hauptsitz der WHO in Genf. Sein Bericht lag Ende April 2010 vor und wurde bei der Plenarsitzung im Juni debattiert.

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Video der Anhörung Video der Pressekonferenz

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  • Paul Flynn, beauftragt mit der Ausarbeitung eines Berichts für die Versammlung, der im Juni 2010 diskutiert wurde:

''Versetzte die WHO die Welt wegen der H1N1-Pandemie erneut grundlos in Panik?''

  • Dr. Wolfgang Wodarg, medizinischer Experte für Epidemiologie und ehemaliger Vorsitzender des Unterausschusses für Gesundheit der Versammlung:

Uns wurde gesagt, dass dies eine Grippe sei, die eine Bedrohung für die Menschheit darstellt und Millionen von Menschen infiziert. Daher wurden Millionen von Dollar für Medikamente ausgegeben. Die WHO war imstande, die Bereitschaftspläne zum Kampf gegen die Grippe in die Tat umzusetzen; sie hatte die Grippe zu einer Pandemie zu erklären. Etwa 18 Milliarden Dollar wurden weltweit zur Bekämpfung dieser Pandemie ausgegeben.

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  • Dr. Keiji Fukuda, Sonderbeauftragter des Generalsekretärs zu Influenzapandemien (WHO):

''Die WHO hat keine Zweifel an der wissenschaftlichen Gültigkeit ihrer Empfehlungen. Wer behauptet, die WHO habe die H1N1-Grippe zu Unrecht zur Pandemie erklärt, lässt die jüngste Geschichte und Wissenschaft außer Acht und bagatellisiert die über 14.000 Toten sowie die vielen schweren Erkrankungen.''

  • Dr. Luc Hessel, Vereinigung der Europäischen Impfstoffhersteller (EVM):

''Die EVM weist diese Vorwürfe zurück, besonders jene der unverhältnismäßigen Reaktion von Impfstoffherstellern auf die H1N1-Grippe. Die Impfstoffindustrie hat lediglich auf die Nachfrage reagiert. Ihre Aufgabe ist es, rechtzeitig sichere Impfstoffe herzustellen und die Nachfrage vonseiten der Regierung zu befriedigen.''

  • Dr. Ulrich Keil, WHO Collaborating Centre for Epidemiologyat an der Univeristät Münster:

Im Bereich der öffentlichen Gesundheit werden beträchtliche Summen unnötig ausgegeben. Regierungen und staatliche Gesundheitseinrichtungen werfen riesige Summen zum Fenster hinaus, indem sie in die Bekämpfung von Pandemien investieren, die nur unzureichend nachgewiesen sind.